Ein Bericht des Chronisten Brunnenbräu:

Nach insgesamt vier Besuchen in Wien hatte sich die Städtetour-de-Bier eine kleine Auszeit genommen, um dann nach wenigen Jahren Pause mit dem neuen Ziel Köln wieder aufzuerstehen. 2014 gab es also eine Neuauflage, und vom 3. bis zum 6. April führte die Städtetour-de-Bier ihre Teilnehmer in die Klüngelmetropole am Rhein.

Berufspessimisten und andere zum Unken und Schwarzmalen Berufene hatten im Vorfeld gewarnt und unter anderem auf U-Bahn-Skandal und Stadtarchiv-Einsturz verwiesen, um klarzustellen, dass es bestimmt nicht einfach sei, in Köln ein Viertagesprogramm auf die Beine zu stellen und dieses dann auch tatsächlich planmäßig durchzuführen. Selbst der ewig glücklose 1. FC Köln wurde als Beispiel missbraucht, um belegen zu können, dass das alles nichts wird.

Die Organisatoren schreckte dies nicht ab. Der Blick ins Gesetzbuch erleichtert die Rechtsfindung, und im Nu war das Kölsche Grundgesetz, Paragraph 3, aufgeschlagen. Optimismus verbreitete sich: „Es hätt noch emmer joot jejange!“ („Es ist bisher noch immer gut gegangen!“, Übersetzung des Chronisten).

Und in der Tat. Nicht nur war innerhalb weniger Wochen ein spannendes Programm zusammen gestrickt worden, nein, es ließ sich auch tatsächlich realisieren und einem Schweizer Uhrwerk gleich abspulen. Und – so viel sei vorweg genommen – selbst der FC hatte am Sonnabend 2:0 gewonnen. Kölle also einmal untypisch.

Aber der Reihe nach.

Am Donnerstag, dem 3. April, trudelten die Tour-de-Bier’ler aus allen Himmelsrichtungen ein und trafen sich im großen Bier- und Brauhaus Gaffel am Dom. Frisches Kölsch und das eine oder andere lokale Gericht sättigte, und man kam ins Gespräch. Namenschilder wurde verteilt, auf dass niemand im Gewühl der Millionenstadt verloren ginge, Notrufnummern bekanntgegeben, und dann begann die eigentliche Tour mit einer kurzweiligen Stadtführung durch die Altstadt. „Kölsch – das Bier, die Sprache, das Lebensgefühl.“ lautete das Motto, und in zweieinhalb Stunden erfuhren selbst erfahrene Köln-Touristen noch eine Menge Neues und Witziges über die Stadt, ihre Menschen und ihre Brauereien.

Drei kurze Tankstopps im Peters Brauhaus, im Bierhaus an d’r Salzgass‘ und in der Malzmühle wurden eingelegt, und um halb sechs am Abend waren sich die Bierwanderer einig – unser Stadtführer Franz Jungeblodt hatte es verstanden, uns zu fesseln. Die Zeit war im Nu verflogen, und wat hädde mer wedeer jelaach! („Was haben wir wieder einmal gelacht!“)

Der erste Abend klang aus im Hellers Brauhaus in der Roonstraße. Durst hatten die Tour’ler schon wieder, Hunger offensichtlich auch, und so schmeckten Kölsch, Wiess, Weizen und Maibock ganz hervorragend. Dazu Haxen oder gewaltige Grillteller, und die Welt war schön. Der Vollständigkeit halber noch zu erwähnen die skurrile Herrentoilette – das Herzeigen der spontan mit dem Smartphone geschossenen Fotos erregte den Neid der Damenwelt, deren stilles Örtchen vielleicht zweckmäßiger, aber nur halb so schön eingerichtet gewesen ist.

Für den harten Kern war es damit aber noch nicht genug – man stellte rasch fest, dass es in weniger als anderthalb Kilometern Entfernung ja auch noch eine weitere Brauerei, das Weiss Bräu am Barbarossaplatz, gebe. Insofern war der Entschluss für einen endgültigen Absacker rasch gefasst, und auch wenn das Bier nicht wirklich zu überzeugen vermochte, so war es auf der Dachterrasse bei fast schon sommerlich warmem Wetter sehr gemütlich.

Der Freitag (4. April) begann mit einer ordentlichen Portion Kultur. Eine ausgiebige Besichtigung der kleinen und unauffälligen Hohen Domkirche Sankt Petrus neben dem Hauptbahnhof stand auf dem Programm – richtig, der Kölner Dom ist gemeint. Insbesondere der Schrein der Heiligen Drei Könige beeindruckte, aber auch die Schatzkammer, für die wir uns ebenfalls viel Zeit nahmen, war äußerst interessant.

Kultur macht hungrig und durstig, und so freute sich der Köbes im Früh am Dom über guten Umsatz, für den wir zur Mittagspause bei ihm sorgten. Viel Zeit hatten wir allerdings nicht – nach ein paar Kölsch ging es mit der Bimmelbahn, dem Schokoexpress durch die Altstadt in Richtung Schokoladenmuseum.

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto teilte sich die Reisegruppe – die Süßen gingen ins Schokoladenmuseum, die Herzhaften bevorzugten einen kurzen Besuch im gegenüberliegenden Senfmuseum und trollten sich dann in den nachb*pfui*aftlichen Biergarten am Malakoff-Turm.

Zwei Stunden später waren beide Gruppen um viele Eindrücke und Kalorien reicher und dementsprechend gut gestärkt, um die Wanderung über die Rheinbrücke bis nach Deutz auf die schäl Sick („verkehrte Seite“) zu überstehen. Hier reihten wir uns in die wohl berühmteste Warteschlange Kölns ein. Jeden Nachmittag bildet sich vor der Kultkneipe Lommerzheim ab vier Uhr eine Schlange ungeduldig und durstig wartender Kölschtrinker, die darauf hoffen, sich mit dem Glockenschlag halb fünf, wenn die Türen geöffnet werden, einen Sitzplatz ergattern zu können.

So auch wir. Und wir hatten Glück. Zwar nicht alle an einem Tisch, aber doch alle mit einem Sitzplatz im Biergarten. Das Päffgen floss in Strömen, dazu gab es gewaltige Koteletts, und die beiden Köbesse sorgten für hervorragende Stimmung. Lommi war in Gedanken bei uns, und seine Bronzebüste in Form eines Brunnens an der Wand des Biergartens wachte über uns. Bis zum späten Abend saßen wir hier und sind buchstäblich versackt. Einmal rund um den Deckel zog sich die Strichliste unserer Kölsch, die wir getrunken haben, und entsprechend weit schien uns der Rückweg zum Hotel zu sein.

Der 5. April, also der Sonnabend, begann denn auch ein wenig langsamer. Erst um halb zwölf trafen wir uns an der St. Ursula Kirche, um die skurrile Goldene Kammer mit den menschlichen Gebeinen zu bewundern, bevor wir dann zu Frühschoppen und Mittagessen in das Brauhaus Zur Schreckenskammer direkt nebenan einkehrten.

Eine ordentliche Grundlage futterten wir uns an – mit Herrgottsbraten (Hackbraten – „Nur der Herrgott weiß, was da alles drin ist…“ erzählte der Köbes) oder mit Eisbein (Hämmchen auf Kölsch, oder „Wasserleiche!“, wie der Köbes meinte).

Die Schreckenskammer pflegt gute alte Traditionen, und dazu gehört nicht nur das Sanden des Fußbodens, sondern auch eine Nachmittagsruhe – um 14:00 Uhr macht man zu.

Wir trollten uns und fuhren mit der U-Bahn nach Kalk zur Sünner-Brauerei. Hier bekamen wir eine eineinviertelstündige Führung durch das wunderschöne Brauhaus. Ein herrlicher Ziegelbau, und im Sudhaus auf pastellfarbigen Kacheln das kupferne Drei-Geräte-Sudwerk. Wunderschön. Sicherlich eine der schönsten Brauereien in Köln. Ehrensache, dass hier eine Zwickelprobe im Lagerkeller nicht fehlen durfte, und unser Führer erzählte derweil noch ein paar typische Kölner Schoten von Tünnes und Schäl.

Im gemütlichen Ziegelgewölbe des Bierkellers genossen wir noch die anderen Biersorten der Sünner-Brauerei und fuhren dann einmal quer durch die Stadt nach Ehrenfeld in die Helios Braustelle. Die Braustelle ist die kleinste und mit Sicherheit auch innovativste Brauerei in Köln. Der Besitzer und Brauer, Peter Esser, pfeift auf das Reinheitsgebot und auf Konventionen, und so bietet er nicht nur ein Altbier in Köln an, sondern mit dem Pink Panther beispielsweise auch ein Bier mit Hibiskusblüten. Vier Fassbiere und ein halbes Dutzend sehr unterschiedliche Flaschenbiere galt es zu verkosten, und in zwei Gruppen geteilt bekamen wir auch die Möglichkeit die Brauerei in aller Ausführlichkeit zu besichtigen. Ein schöner letzter Abend für diese Städtetour, und biermäßig sicherlich auch der Höhepunkt dieser Reise.

Der Sonntagmorgen bot als Ausklang der Reise einen Jazzfrühschoppen im Brauhaus Päffgen in der Friesenstraße. Während vorne auf der Bühne die Jazzband Climax aufspielte, wurden hinten Kölsch und leckere lokale Gerichte serviert. Die vergangenen drei Tage ließen wir in unseren Gesprächen Revue passieren, und als wir dann am frühen Nachmittag auseinander gingen, waren wir uns einig: Auch Köln bietet Potential für eine Städtetour-de-Bier. Schöne und historische Brauhäuser, kleine und große Brauereien, und abseits vom Kölsch auch immer wieder neue und interessante Biere. Drei Tage und ein Frühschoppen, die im Nu verflogen sind.

Nun gilt es, das nächste Ziel zu identifizieren – auf dass es auch in 2015 wieder eine Städtetour-de-Bier gebe.

Allen Teilnehmern vielen herzlichen Dank für die teils weite Anreise, und bis zum nächsten Mal, wünscht der Chronist: Maach et joot! („Mach es gut!“)

28.09.2014 | 6341 Aufrufe

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