Das Bayerische Reinheitsgebot von 1516 besagt, dass zur Bierherstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser Verwendung finden dürfen. Die Hefe war damals noch unbekannt und fehlt daher. Es ist aber nicht die erste Vorschrift auf deutschem Boden, die sich mit der Qualität des Bieres befasste.

  • 1393 verbot in der Freien Reichsstadt Nürnberg eine Verordnung das Brauern mit Hafer, Weizen, Roggen und Dinkel. Als Braugetreide war nur Gerste erlaubt. Diese Verordnung wird manchmal als ältestes “Reinheitsgebot” bezeichnet. Es sollte den Einsatz wertvollen Brotgetreides zum Brauen verhindern.
  • 1447 beauftrage die Stadt Regensburg den Stadtarzt mit der Kontrolle des dort gebrauten Bieres. Wohl auf Klagen desselben erliess sie 1453 eine Brauordnung.
  • 1363 beschränkte die Stadt München die zum Brauen zu verwendenden Zutaten auf Wasser, Gerste und Hopfen.
  • 1434 erläßt die Stadt Weißensee in Thüringen eine Wirtshausverordnung, in der zum Brauen nur Wasser, Malz und Hopfen zugelassen werden.
  • 1493 erläßt Herzog Georg der Reiche im Herzogtum Landshut-Bayern eine Vorschrift, die auch die zum Brauen zu verwendenden Rohstoffe auf Wasser, Malz und Hopfen beschränkt.

Das eigentliche Reinheitsgebot geht auf Bayernherzog Wilhelm IV. zurück, der es im Jahre 1516 im Landtag von Ingolstadt erliess.

Ursache für das Reinheitsgebot und dessen Vorläufer war die Qualität damaliger Biere. So wurden zu Olims Zeiten zum Brauen Gewürze, Obst, Kräuter und Wildkräuter wie Anis, Gagel, Eichenblätter, Efeu, Herbstzeitlose, Himbeere, Holunderbeere, Kreuzkümmel, Kümmel, Lavendel, Löwenzahn, Lorbeer, Melisse, Minze, Pfirsichblätter, Pflaumen, Rosenblätter, Rosmarin, Schlüsselblumen, Sumpfporst und Wacholderbeeren verwendet. Manche wurden Hopfenersatz genommen, andere ihrer Rauschwirkung zuliebe, und wieder andere zur Verlängerung der Haltbarkeit. Dass das damalige Bier geschmacklich nicht viel mit unserer heutigen Vorstellung davon gemeinsam hat, kann man sich leicht vorstellen.

Der Erlass im Originaltext:

Wie das Pier Summer vie Winter auf dem Land sol geschenkt und prauen werden

Item wir ordnen, setzen und wollen mit Rathe unnser Lanndtschaft das füran allenthalben in dem Fürstenthumb Bayrn auff dem Lande auch in unsern Stettn vie Märckthen da desáhalb hieuor kain sonndere ordnung gilt von Michaelis bis auff Georij ain mass oder kopffpiers über einen pfennig müncher werung un von Sant Jorgentag biß auf Michaelis die mass über zwen pfennig derselben werung und derenden der kopff ist über drey haller bey nachgeferter Pene nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. Wo auch ainer nit Merrzn sonder annder pier prawen oder sonst haben würde sol erd och das kains weg häher dann die maß umb ainen pfennig schenken und verkauffen. Wir wollen auch sonderlichen dass füran allenthalben in unsern stetten märckthen un auf dem lannde zu kainem pier merer stückh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn. Welcher aber dise unsere Ordnung wissendlich überfaren unnd nie hallten wurde den sol von seiner gerichtsobrigkait dasselbig vas pier zustraff unnachläßlich so offt es geschieht genommen werden. jedoch wo ain brüwirt von ainem ainem pierprewen in unnsern stettn märckten oder aufm lande jezuzeitn ainen Emer piers zwen oder drey kauffen und wider unnter den gemaynen pawrfuolck ausschenken würde dem selben allain aber sonst nyemandes soldyemaßs oder der kopfpiers umb ainen haller häher dann oben gesetzt ist zugeben un ausschencken erlaube unnd unuerpotn.

Verständlicher ist die hochdeutsche Version:

Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll

Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landwirtschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli bis Georgi eine Mass (1) oder ein Kopf (2) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Mass für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (3) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen, sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Mass ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Androhung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.

Wo jedoch ein Gauwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (4) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeinsame Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemand erlaubt und und verboten sein, die Mass oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken. Auch soll uns als Landesfürsten vorbehalten sein, für den Fall, dass aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entstünde (nachdem die Jahrgänge auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind), zum allgemeinen Nutzen Einschränkungen zu verordnen, wie solches am Schluss über den Fürkauf ausführlich ausgedrückt und gesetzt ist.

(1)bayerische Mass = 1,069 Liter
(2)halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten; nicht ganz eine Mass
(3)gewöhnlich ein halber Pfennig
(4)enthält 60 Mass

Das Originalschriftstück wird heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt.

Prosit

Sinister

17.09.2014 | 6771 Aufrufe

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