Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht. Man sollte es nicht glauben, es gab mal eine Zeit ohne Internet, Smartphones, ja selbst Handies gab es noch nicht.

Dafür gab es Telefonzellen, Telefone mit Wählscheiben und Impulswahlverfahren, VW Käfer wurden noch gebaut und prägten das Straßenbild. Und die Computer fingen langsam an, sich in die Haushalte vorzuarbeiten. Computer der Firma Commodore wurden unter anderem in den Katalogen der Firma Quelle angeboten, damals unter der Bezeichnung "PET" (Personal Electronic Transactor).

Vor ein paar Jahren (1982) nahm ich als frischgebackener Student der Geologie und Paläontologie - stolz wie ein Spanier - einen VC20 in Empfang. Versandt wurde er von einer Firma, die so heute kaum noch jemand kennen dürfte, der Vobis Data Computer GmbH aus Aachen.

International war der VolksComputer als VIC20 bekannt, der Name leitete sich von dem Video Interface Chip und dem 20kB großen ROM ab.

Technische Daten dieses Computerleins:

  • CPU: MOS-Technology 6502B mit einer Taktfrequenz von sagenhaften 1,1 MHz (PAL-Version - ja MHz, nicht GHz).
  • Freier Speicher: 3.583 Bytes in der Grundversion (bis 24 kB ausbaubar).
  • Bildschirmauflösung: 22 x 23 Zeichen.
  • Farben: 8 aus 16.
  • Betriebssystem: Commodore DOS mit BASIC.
  • Sound: Vier Stimmen mit je 128 Tönen.
  • Anschlüsse:
    • Modulport zum Anschluß von Speichererweiterung (von Commodore gab es Module mit 3kB, 8kB und 16 kB).
    • Serielle IEE488-Port zum Anschluß von Floppylaufwerk, Drucker, ...
    • User-Port, er konnte mit Zusatzmodulen als serielle (RS232) oder parallele Schnittstelle verwandt werden.
    • Audioport.
    • FBAS-Videoausgang zum Anschluß eines Fernsehers (Antenneneingang).
    • Joystick.
  • Tastatur: 66 Tasten
  • Speichergeräte: Datasette, später kam das Diskettenlaufwerk VC1540 mit gigantischen 166kB Speicher und notorischen Positionierproblemen dazu. Aber auch deren Nachfolger komnnten mit dem VC20 benutzt werden.

Ein kleines, blaues Büchlein mit Spiralbindung lag bei, die Bedienungsanleitung.

Als erstes Speichergerät verwendete ich die Datasette, die Daten auf Kassetten aufzeichnete. Kurze Zeit später erwarb ich zu einem aus heutiger Sicht sündhaften Preis das Floppylaufwerk VC1540. Es war mit einem Schreib-/Lesekopf ausgestattet und beschrieb daher einseitige 5,25" Disketten. Angeschlossen wurde es über einen serielle Variante des seinerzeit populären Bus IEE488 und war, wie alle an diesem Bus anzuschliessenden Geräte, im Prinzip ein eigenständiger Rechner, der mit dem Commodore DOS ausgestattet war. Dies organisierte unabhängig vom VC20 Formatierung der Disketten, Umbenennung und Kopieren von Dateien, die Dateiablage und den Dateizugriff. Es sollte mich fortan mit immer wieder auftretenden Leseproblemen nerven, die auf einer mangelhaften Positionierung des Schreib-/Lesekopfes beruhten.

Welch ein Gerät! Nach dem Einschalten wurde auf dem Bildschirm angezeigt:

**** CBM BASIC V2 ****
3583 BYTES FREE
READY.

Die Bedienungsanleitung wurde studiert und ein ersten Basic-Programm eingetippt. Welch Wunder - ein animierter "Vogel" flappte über den Bildschirm. Programme wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation waren Mangelware, selbst Hand anlegen war angesagt. Gleichzeitig wurde der Markt nach sinnvollen Erweiterungen abgegrast.

Speichermodule wurden angeschafft, aber der Modulport erlaubte nur den Anschluß eines Modules. Zur parallelen Nutzung mehrerer Module war die Anschaffung der Erweiterungsbox "VC1020" unumgänglich. Fünf Module konnten jetzt gleichzeitig verwendet werden! Der VC20 wurde in sie hineingeschoben und sah dann seinen erwachsenen Brüder und Schwestern der großen Baureihen von Commodore irgendwie ähnlich.

Ein Highlight war die Anschaffung der 80-Zeichenkarte von Data Becker, einem damals gerade gegründeten Unternehmen. Über einen Monitor (Zenith) konnten grün auf schwarz wirklich 80 Zeichen in 25 Zeilen angezeigt werden.

Der Drucker VC-1515 verrichtete kreischend sein Werk beim Versuch, leserlich auf maximal 7" breites Papier zu drucken. Das Druckbild litt arg unter dem Umstand, dass die Zeichenmatrix sieben Punkte (2,82mm Höhe) x 5 Punkte (1,76mm Breite) betrug. Sobald ein passendes Interface - auch das kam von Data Becker - zur Verfügung stand, wurde er gegen einen EPSON MX80/III ausgetauscht.

Rat holte man sich damals in Computerzeitschriften wie:

  • "CHIP", erscheint seit September 1978,
  • "Comuputer Journal", der Hauszeitschrift von CBM, erschien zweimonatlich von Oktober 1981 bis März 1984,
  • "Computer Persönlich" aus dem Markt und Technik Verlag (eingestellt 1995),
  • "c't" aus dem Heise Verlag, erscheint seit Oktober 1983 oder
  • "mc" aus dem Franzis Verlag. Diese Zeitschrift erschien von Januar 1981 bis Juni 1984 als eigenständige Zeitschrift. "mc" ist Schuld daran, dass ich bis heute die Beschäftigung mit dem Computer mit dem Verb "mopsen" beschreibe und den jeweils aktuellen Heim-/Arbeitscomputer mit dem Namen "Mops" tituliere.

Neben Berichten über Hardwareneuheiten waren umfangreiche Anleitungen und Hilfestellungen zur Programmierung der Heimcomputer sowie die Veröffentlichung von Programmen Schwerpunkte aller genannten Zeitschriften.

Programme des Berichtenden fanden sich in den Zeitschriften:

  • Computer Journal JULI/AUG. 83, "Logos 64",
  • CHIP Oktober 1983, "Logos 64" und
  • Computer Journal MÄRZ/APR. 84, "Logadress 64".

 

27.09.2014 | 179389 Aufrufe